Molekülinfrastruktur bleibt wichtig – aber sie wird regulatorisch konfliktreicher

Die Konsultation zum zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans Gas und Wasserstoff 2025–2037/2045 läuft bis zum 10. Juli 2026. Die Bundesnetzagentur hatte die Konsultation am 15. Juni gestartet; der Entwurf beschreibt die künftige Gas- und Wasserstoffinfrastruktur bis 2037 beziehungsweise 2045. Vorgesehen ist ein Wasserstofftransportnetz von rund 9.241 Kilometern mit Investitionen von etwa 24,3 Milliarden Euro.

Gleichzeitig kommt das sogenannte Gaspaket, das unter anderem Vorgaben der EU-Gasbinnenmarktrichtlinie umsetzen soll, politisch nicht so schnell voran wie andere Energievorhaben. Nach der ZfK-Berichterstattung war das Gaspaket für die laufende Sitzungswoche nicht auf der Tagesordnung; Streitpunkte betreffen unter anderem die künftige Rolle von Biomethan und Netzanschlüssen.

Zusätzlich bleibt die EU-Methanverordnung ein politischer Konfliktpunkt. Sie verpflichtet Gasproduzenten ab 2027 dazu, gegenüber EU-Importeuren Nachweise über Erfassung und Reduzierung von Methanemissionen zu erbringen; Widerstand wichtiger Gasexportländer wurde berichtet.

Auch die Gasnetzentgelte rücken in die Vorausschau: Die Bundesnetzagentur veranstaltet am 15. Juli 2026 einen Expertenaustausch zum Festlegungsverfahren SyGNE, das die allgemeine Systematik der Gasnetzentgelte betrifft und die bisherige GasNEV-Systematik ersetzen soll.

Das Signal für das System:
Gas- und Wasserstoffpolitik ist nicht nur Infrastrukturpolitik. Sie ist Industrie-, Import-, Klima-, Sicherheits-, Standort- und Kostenverteilungspolitik zugleich.

Kritische Einordnung:
Der Wasserstoffhochlauf bleibt strategisch wichtig, aber die Unsicherheiten sind groß: Nachfrageanker, Importmengen, Preisniveaus, Umstellung bestehender Gasnetze, Verteilnetzfragen und industrielle Anschlussoptionen sind noch nicht hinreichend belastbar.

Gleichzeitig bleibt Erdgas als Brücke im System – für Kraftwerke, Wärme, Industrie und Reserve. Die Methanverordnung zeigt aber: Auch fossile Brücken werden regulatorisch teurer, transparenter und konfliktträchtiger. SyGNE zeigt zusätzlich, dass es nicht nur um Leitungen und Moleküle geht, sondern auch um die Frage, wer künftig welche Netzkosten trägt.

Worauf es jetzt ankommt:
Wasserstoffplanung muss realistische Nachfrageanker, regionale Industriebedarfe und Verteilnetzfragen stärker zusammenführen. Gasregulierung muss gleichzeitig Versorgungssicherheit, Klimaanforderungen und Infrastrukturtransformation abbilden. Wer diese Ebenen trennt, plant an der Realität vorbei.